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Die gesundheitspolitische Sprecherin Susann Enders (rechts) mit ihren Gästen am Freitagabend im Maximilianeum (v.l.): Moderatorin Sylvia Schneider und die Referentinnen Bettina Rödig sowie Tina Benning.
Susann EndersSusann Enders
13.05.2022

Parlamentarischer Abend „Pflegesymposium – Bei uns reden Pflegekräfte Klartext!“

Enders fordert nachhaltige Verbesserung von Rahmenbedingungen in der Pflege

München. Erst zuhören, dann handeln – so muss das Mantra der Politik lauten, damit sich in der Pflege tatsächlich etwas ändert. Die FREIE WÄHLER Landtagsfraktion hat daher am Freitag zu ihrem Parlamentarischen Abend „Pflegesymposium – Bei uns reden Pflegekräfte Klartext!“ in den Bayerischen Landtag eingeladen. Nach mehr als zwei Jahren Pandemie hatten Pflegekräfte hier erstmals wieder persönlich die Chance, mit der gesundheitspolitischen Fraktionssprecherin Susann Enders über aktuelle Schwierigkeiten des Berufs sowie mögliche Lösungsansätze zu diskutieren. Vor ihrer Wahl in den Landtag hatte Enders selbst 30 Jahre lang aktiv im Gesundheitswesen gearbeitet.

„Die Corona-Pandemie hat die Pflege auf eine außerordentliche Bewährungsprobe gestellt. Sie fungiert dabei als Brennglas, welches uns die Fehlentwicklungen der Vergangenheit schonungslos vor Augen führt. Alle Probleme, die wir heute in geballter Form in der Gesundheits- und Krankenpflege erleben, bestehen dabei schon seit vielen Jahren. Erst Corona hat verdeutlicht, dass wir mit Ignoranz nichts ändern. Ein ‚Weiter so‘ darf es nicht geben!“, erklärt Enders

Insbesondere bei älteren Menschen sei es zu ernsten Verläufen oder gar Todesfällen gekommen. „In vielen Pflegeheimen war das Infektionsgeschehen kaum noch zu beherrschen. Zudem haben sich die sozialen Auswirkungen äußerst kritisch zugespitzt. Die bereits vor Pandemiebeginn stark belastete Branche sieht sich durch die erforderlichen Schutzmaßnahmen auch weiterhin massiv beansprucht“, so Enders weiter. 

Testungen von Pflegebedürftigen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Verschärfung der Hygienemaßnahmen, aber vor allem auch Sorge um das Wohlbefinden der Patienten sowie der zu Pflegenden in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bedeuteten für die Pflegekräfte eine enorme Herausforderung. „Trotz allem hat es seit Jahren keine wesentlichen Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen der Pflege sowie der Honorierung gegeben. Wertschätzung ist mehr als Bonuszahlungen und Händeklatschen. Daher wollen wir als FREIE WÄHLER-Fraktion die Rahmenbedingungen für den Krankenhaus- und Pflegesektor ernsthaft verbessern – und zwar gemeinsam mit den Pflegekräften“, betont Enders

Für Tina Benning, Fachkrankenschwester für Intensiv/Anästhesie, ist die Pflege einer der schönsten Berufe, die es gibt. Sie bedauert allerdings, dass die Tätigkeit in den vergangenen dreißig Jahren an gesellschaftlichem Ansehen verloren hat. „Der Pflegeberuf hat sich stark gewandelt. Zwar wurden gute Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten geschaffen. Das unermüdliche Engagement vieler Pflegekräfte wird jedoch kaum honoriert“, erklärt Benning

Die körperlichen sowie psychischen Belastungen seien in den letzten Jahren deutlich angestiegen. „Dabei muss jede Pflegekraft Verantwortung für die eigene Gesunderhaltung übernehmen und in diesem Zusammenhang sogar einen möglichen Ausstieg aus dem Beruf in Betracht ziehen. Die Corona-Pandemie stellte in den vergangenen zwei Jahren eine zusätzliche Belastung für viele Kolleginnen und Kollegen dar. Sie haben teilweise bis zur Erschöpfung gearbeitet. Der Dank aus der Gesellschaft: Klatschen“, so Benning. Leider habe man es bis heute nicht geschafft, den Beruf wieder für junge Menschen oder Mütter attraktiv und vor allem zukunftsfähig zu gestalten. 

Bettina Rödig, ver.di Bayern sowie Gesundheits- und Krankenpflegerin, sieht das Gesundheitssystem in den kommenden Jahrzehnten vor einer Katastrophe. „Uns steht eine deutliche Zunahme an Pflegebedürftigen bevor – und das bei bis zu 300.000 fehlenden Pflegekräften. Daher brauchen wir dringend ein Umdenken in der pflegerischen Versorgung. Beruflich Pflegende benötigen eine ernsthafte Entlastung sowie eine dauerhafte Aufwertung statt gelegentlichem Applaus oder einer Prämienzahlung“, betont Rödig. Vor allem aber müsse die pflegerische Expertise bei politischen Entscheidungen einbezogen und ernst genommen werden. Denn was die Pflege vor allen Dingen brauche, sei eine eigene Stimme.

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